Hochseefischerei

Der Knochenjob für frischen Fisch

Die Quelle der Delikatessen

Die Hochseefischerei wird in zwei Kategorien eingeteilt. Es wird zwischen der „kleinen Hochseefischerei“ und der „großen Hochseefischerei“ unterschieden. "Klein" bemisst sich dabei nicht am Arbeitsaufwand, der für frischen Fisch geleistet wird, sondern an der Schiffgröße und technischen Ausstattung. In der kleinen Hochseefischerei werden Hochseekutter von einer Länge von 18-32 Metern genutzt. Vier bis sechs Besatzungsmitglieder werden für die vier bis vierzehntägige Fahrt benötigt.
Betrieben wird die kleine Hochseefischerei in Europa in der Ostsee, der Nordsee und der nördlichen Shetland-Inseln.


Die "Große Hochseefischerei" dagegen besteht hauptsächlich aus einer Flotte von Fabrikschiffen. Diese Fabrikschiffe sind sogenannte „Vollfroster“ und verarbeiten die Meerestiere bereits auf See zu Tiefkühlprodukten, wie z.B. Fischstäbchen. Die Reisedauer beträgt durchschnittlich 60 Tage mit einer Crew von fünfzehn Personen.

Fangmethoden

Stellnetz- und Treibnetzfischerei

Das Fischen mit Stellnetzern und Treibnetzern wird als passive Fangmethode bezeichnet. Es werden Netze ausgebracht, die man mit Schwimm-und Bleileinen gewissermaßen ins Wasser "stellt". Das kann sowohl am Meeresboden wie auch schwebend unter der Wasseroberfläche stattfinden. In der Regel werden die Netze vor Sonnenuntergang gesetzt und im

Morgengrauen wieder eingeholt. Netzlängen von 30 Seemeilen sind keine Seltenheit.

Köderfischerei

Mehrere Seemeilen lange Angelschnüre werden mit Haken und Fischköder bestückt. Diese auf reinen Raubfischfang ausgelegte Methode wird hauptsächlich in Portugal und Norwegen angewandt. Je nachdem in welcher Tiefe die Angeln stehen werden der weiße Heilbutt, Aale, Dorsche, Haie, Rotbarsch oder Plattfisch gefangen.

Ringwadenfischerei

Schwarmfische wie Hering, Sardine, Sardelle oder Markrele halten sich zeitweise dicht unter der Oberfläche auf. Die Schwärme werden durch Echolot oder Sonar aufgespürt. Ist der Schwarm gefunden wird ein Beiboot mit einem der beiden Netzenden abgesetzt. Der Kutter umrundet nun unter voller Maschinenkraft den Schwarm und zieht dabei das Netz kreisförmig um den Fang. Am Beiboot angekommen zieht die Besatzung  den unteren Teil des Netzes zusammen und "hievt" den Fisch an Bord.

Im Gegensatz zur Grundnetzfischerei haben Ringwadennetze kaum negative Auswirkungen auf den Meeresboden und die darauf lebenden Organismen. Außerdem ist die Beifangrate (Schildkröten, Haie oder Seevögel) mit 5% unter der Durchschnittsbefangrate von 8%.

Kurrenfischerei

Die Fischkutter haben auf beiden Seiten des Schiffes je einen Baum über das ein Grundschleppnetz gezogen wird, häufige Fangmethode in unserer „deutschen Bucht“. Fast alle Seezungen werden so gefangen und der Hauptteil der verschiedenen anderen „Plattfische“.

Grundnetzfischerei

Kabeljau, Schellfisch, Seelachs, Rotbarsch oder auch Seeteufel fängt man in großen Tiefen hauptsächlich mit Grundschleppnetzen. Ein Grundschleppnetz ist  trichterförmig aufgebaut. An der Oberseite des Netzes sorgen Bojen für Auftrieb und Öffnung des Netzes, die Unterseite wird mit Ketten beschwert. Um die erforderliche Spreizung zu erreichen werden sogenannte Scherrbretter eingesetzt. Die Fahrt des Kutters durchs Wasser erzeugt den notwendigen Wasserdruck zur Spreizung des Netzes. Die Scherrbretter wiederum sind mit dem „Kurrdraht“ (Stahldraht) am Kutter befestigt. Oft werden über 2000 m Kurrdraht weggefiert (abgerollt), um das Netz im tiefen Wasser in die gewünschte Position zu bringen. Je nach Fanggebiet und Fischart heißt es nach 4-8 Stunden „hiev op“ (Netze hoch). Nachdem der letzte „Büddel“ (Netzende) ausgeleert wurde, wird das Netz wieder ausgesetzt. Die Besatzung verarbeitet den Fang sofort. Der Fisch wird geschlachtet, gewaschen und in speziellen Kühlräumen auf Scherbeleis schichtweise eingelagert.

Es passiert oft, das der Fisch gerade verarbeitet ist und der „Alte“ (Käpitän) schreit „Hiev op“. 48 Stunden „non stop“ auf den Beinen ist keine Seltenheit. Aber die „Jungs“ wissen, dass sie alle am Ertrag beteiligt werden. Wir sehen die hohen Fischpreise immer mit einem weinenden und lachendem Auge. Müssen wir höhere Preise zahlen, wissen wir zumindest: Die Knochenarbeiten sind gut entlohnt worden.

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